30.07.2010
In bestimmten Kreisen hat diese Ankündigung die eingespielten Reaktionsmuster hervorgerufen: ich werde als naiver Trottel beschimpft, der das iranische Regime hoffähig macht, manche nennen mich „Klein-Chamberlain“ mit dem Verdacht des Appeasement, ich bin der Verräter an der gerechten Sache, etc.
Es wird auch immer so getan, als würde ich die Positionen der jeweiligen Gesprächspartner einnehmen, weil ich mit ihnen rede. Das zeugt von Naivität und Unwissen. Ich rede in Berlin und auf Auslandsreisen ständig mit vielen Vertretern von Staaten, deren Position ich nicht teile, sondern denen ich unsere Position erläutere. Reisen in den Balkan, nach Russland und in den Nahen Osten dienen jedenfalls nicht dazu, die dortigen Positionen zu übernehmen.
Als erstes sage ich zu der grundsätzlichen Kritik immer: wer Reden verhindert, nimmt Schießen in Kauf.
Der Hauptzweck meiner Reise nach Iran und Indien ist es, mehr Informationen über die Situation in der Region und insbesondere der Beziehungen der Staaten der Region untereinander zu erhalten. Daher hatte ich ursprünglich vor, auch nach Pakistan zu reisen und dort über die kritische Grenze in Kaschmir nach Indien zu reisen. Das geht aus Sicherheitsgründen nicht. Mein zweiter Plan war, dann wenigstens von der indischen Seite nach Kaschmir zu gelangen, um mir vor Ort ein Bild zu machen. Auch dieser Besuch von Kaschmir wird wohl nicht stattfinden können.
Ich habe meine Gesprächspartner in Iran und in Indien genau unter dem Gesichtspunkt der regionalen Problematik zusammengestellt.
So werde ich in Iran mit Vertretern der UN-Organisationen für Drogen und Kriminalität sowie für Flüchtlinge zusammenkommen. Beide Themen sind für unser Engagement in Afghanistan sehr bedeutsam. Die Situation an der Grenze von Afghanistan und Iran ist sehr prekär, wir und der Iran haben ein Interesse an einer Verbesserung. Und ich werde mit Offiziellen über die Regionalpolitik des Iran sprechen.
Natürlich werde ich im Iran auch über das Nuklear-Dossier und über die Sanktionen sprechen. Und natürlich wird über die Menschenrechte gesprochen.
Wer all das verhindern will, ist nur auf dem Papier ein „Menschenfreund“. Ich habe auch von den Kritikern meiner Reise noch nicht die Forderung vernommen, die UN solle ihre Tätigkeit dort einstellen.
Die Situation in der Region ist zu ernst, als das die alten Rituale unser Handeln leiten kann. Ich will es jedenfalls nicht verantworten, dass wir evtl. ein weiteres Mal in einen Konflikt weit weg, der plötzlich ausbricht, eingezogen werden. Jeder sollte wissen, dass die Situation in Afghanistan nicht ohne die umfassende Einbeziehung der Nachbarn in der Region gelöst werden kann. Es reicht aber nicht, dass in Sonntagsreden zu betonen. Ich will mir selbst ein Bild von dieser Situation vor Ort machen. Und genauso wenig, wie ich in Berlin alles glaube, was mir erzählt wird, genauso werde ich auch auf dieser Reise die Informationen kritisch werten.
Und die Konfliktregion Kaschmir ist leider mittlerweile alles Andere als „frozen“. Die Veröffentlichungen im Spiegel von dieser Woche – für Fachleute alles keine Neuigkeiten – haben viele neue Aspekte dieser Konfliktregion an die Öffentlichkeit gebracht.
Und ob es Kritikern gefällt oder nicht: Iran nimmt in dieser Region in mehr als einer Hinsicht eine Schlüsselstellung ein.
Deshalb reise ich da hin, und ich habe schon viele interessierte Gesprächspartner nach meiner Rückkehr.
» Interview anhören
Warum ich nach Iran und nach Indien fahre
Seitdem ich auf facebook angekündigt habe, dass ich vom 31.7. bis 11.8. nach Iran und Indien reise, ist eine große Reaktionswelle über mich hereingebrochen.In bestimmten Kreisen hat diese Ankündigung die eingespielten Reaktionsmuster hervorgerufen: ich werde als naiver Trottel beschimpft, der das iranische Regime hoffähig macht, manche nennen mich „Klein-Chamberlain“ mit dem Verdacht des Appeasement, ich bin der Verräter an der gerechten Sache, etc.
Es wird auch immer so getan, als würde ich die Positionen der jeweiligen Gesprächspartner einnehmen, weil ich mit ihnen rede. Das zeugt von Naivität und Unwissen. Ich rede in Berlin und auf Auslandsreisen ständig mit vielen Vertretern von Staaten, deren Position ich nicht teile, sondern denen ich unsere Position erläutere. Reisen in den Balkan, nach Russland und in den Nahen Osten dienen jedenfalls nicht dazu, die dortigen Positionen zu übernehmen.
Als erstes sage ich zu der grundsätzlichen Kritik immer: wer Reden verhindert, nimmt Schießen in Kauf.
Der Hauptzweck meiner Reise nach Iran und Indien ist es, mehr Informationen über die Situation in der Region und insbesondere der Beziehungen der Staaten der Region untereinander zu erhalten. Daher hatte ich ursprünglich vor, auch nach Pakistan zu reisen und dort über die kritische Grenze in Kaschmir nach Indien zu reisen. Das geht aus Sicherheitsgründen nicht. Mein zweiter Plan war, dann wenigstens von der indischen Seite nach Kaschmir zu gelangen, um mir vor Ort ein Bild zu machen. Auch dieser Besuch von Kaschmir wird wohl nicht stattfinden können.
Ich habe meine Gesprächspartner in Iran und in Indien genau unter dem Gesichtspunkt der regionalen Problematik zusammengestellt.
So werde ich in Iran mit Vertretern der UN-Organisationen für Drogen und Kriminalität sowie für Flüchtlinge zusammenkommen. Beide Themen sind für unser Engagement in Afghanistan sehr bedeutsam. Die Situation an der Grenze von Afghanistan und Iran ist sehr prekär, wir und der Iran haben ein Interesse an einer Verbesserung. Und ich werde mit Offiziellen über die Regionalpolitik des Iran sprechen.
Natürlich werde ich im Iran auch über das Nuklear-Dossier und über die Sanktionen sprechen. Und natürlich wird über die Menschenrechte gesprochen.
Wer all das verhindern will, ist nur auf dem Papier ein „Menschenfreund“. Ich habe auch von den Kritikern meiner Reise noch nicht die Forderung vernommen, die UN solle ihre Tätigkeit dort einstellen.
Die Situation in der Region ist zu ernst, als das die alten Rituale unser Handeln leiten kann. Ich will es jedenfalls nicht verantworten, dass wir evtl. ein weiteres Mal in einen Konflikt weit weg, der plötzlich ausbricht, eingezogen werden. Jeder sollte wissen, dass die Situation in Afghanistan nicht ohne die umfassende Einbeziehung der Nachbarn in der Region gelöst werden kann. Es reicht aber nicht, dass in Sonntagsreden zu betonen. Ich will mir selbst ein Bild von dieser Situation vor Ort machen. Und genauso wenig, wie ich in Berlin alles glaube, was mir erzählt wird, genauso werde ich auch auf dieser Reise die Informationen kritisch werten.
Und die Konfliktregion Kaschmir ist leider mittlerweile alles Andere als „frozen“. Die Veröffentlichungen im Spiegel von dieser Woche – für Fachleute alles keine Neuigkeiten – haben viele neue Aspekte dieser Konfliktregion an die Öffentlichkeit gebracht.
Und ob es Kritikern gefällt oder nicht: Iran nimmt in dieser Region in mehr als einer Hinsicht eine Schlüsselstellung ein.
Deshalb reise ich da hin, und ich habe schon viele interessierte Gesprächspartner nach meiner Rückkehr.
» Interview anhören




